Die Reinigungsfrauen brauchen Ihre Solidarität!

Solidarität mit den Reinigungsfrauen
der Philologischen Seminare am Nadelberg!

Fünf Frauen reinigen als Angestellte einer privaten Reinigungsfirma die Sprachseminare der Uni Basel. Jetzt hat die Uni diesen Reinigungsauftrag nach den Regeln der Welthandelsorganisation neu ausgeschrieben. Solidarische KollegInnen und Studierende fordern mit einer Petition die direkte Anstellung des Reinigungspersonals an der Uni, damit mit dieser Hire-and-Fire-Politik durch den Ausschreibungszwang endlich Schluss ist.

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Hier auf dem Nadelberg arbeiten die Putzfrauen (Foto: Juri Weiss)

Morgens früh um sieben, Francesca* leert Papierkörbe, zieht Böden auf, rasch und konzentriert, denn schon in einer Stunde kommen die ersten Sekretärinnen, BibliothekarInnen und Studierenden. Sie und ihre vier Kolleginnen arbeiten seit Jahren hier an den Sprachseminaren der Uni Basel und gehören zu den Teams wie alle anderen Mitarbeitenden. Sie ist auf ihr Einkommen dringend angewiesen. Jetzt weiss sie aber nicht, ob sie weiter hier arbeiten kann.

Prekäre Anstellungsbedingungen

Angestellt sind Francesca und ihre Kolleginnen nicht bei der Uni, sondern bei einer privaten Reinigungsfirma. Die Uni als subventionierte Institution muss sich bei Dienstleistungsaufträgen an das Beschaffungsgesetz halten. Dieses enthält die Bestimmung der Welthandelsorganisation WTO, dass dauerhafte öffentliche Aufträge periodisch ausgeschrieben werden müssen. Die Opfer dieses Wettbewerbs- und Marktdiktats sind die Angestellten, in diesem Fall die Reinigungsfrauen. Alle paar Jahre stehen sie auf der Strasse und müssen eine neue Stelle suchen. Meistens kündigt ihnen die private Reinigungsfirma, sobald die Ausschreibung bekannt ist, für den Fall, dass sie den Zuschlag nicht mehr erhält. Dann ist es während der Kündigungsfrist unklar, ob sie eine neue Stelle suchen müssen, oder ob sie evtl. doch bleiben können. Das sind unakzeptable, prekäre Anstellungsbedingungen!

Widerstand gegen WTO Marktdiktat

Anfang 2011 wurde der Reinigungsauftrag der Uni-Bibliothek (UB) neu ausgeschrieben. Die UB-Mitarbeitenden wehrten sich für ihre sechs Kolleginnen. Mit einer Petition verlangten sie die direkte Anstellung des Reinigungspersonals bei der Uni, damit es nicht der Hire-and-Fire-Polititk des WTO-Ausschreibungszwangs ausgeliefert ist. Die Petition wurde in kurzer Zeit von 130 UB-Mitarbeitenden und 1273 UB-BenutzerInnen unterschrieben. Unterstützt wurde die Forderung vom Studierendenverband skuba, von der Vollversammlung der Assistierenden der phil-I-Fakultät und vom vpod. Das Ergebnis: Ein Teilerfolg. Zwar war die Uni-Leitung nicht bereit, die Reinigungsfrauen direkt anzustellen, aber der Zuschlag erhielt die bisherige Reinigungsfirma, die Frauen konnten bleiben.

Jetzt wiederholt sich die Geschichte an den Sprachseminaren, und wieder sind die KollegInnen aktiv geworden und haben zusammen mit dem vpod dieselbe Petition lanciert. Die Uni wird sich irgendwann überlegen müssen, ob es vertretbar ist, das Reinigungspersonal als beliebig auswechselbare Arbeitskräfte zu betrachten. Denn die Uni-Mitarbeitenden werden bei jeder weiteren Ausschreibung den Widerstand organisieren gegen die unwürdigen prekären Anstellungsbedingungen durch den WTO-Ausschreibungszwang.

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* Name von der Redaktion geändert.